Lichte Wälder (alt)

Was sind lichte Wälder?

Typisch für lichte Wälder ist ein geringer Kronenschluss der Bäume. Dies führt dazu, dass viel Licht auf den Waldboden gelangt. Lichte Wälder sind ökologisch besonders wertvoll, da sie eine grosse Anzahl von Pflanzen, Insekten (insbesondere Tagfalter) und Vögel beherbergen. Die meisten dieser Arten sind typisch für Übergangslebensräume zwischen Wald und Offenland.

Natürlicherweise kommen lichte Wälder an Extremstandorten vor, z.B. an exponierten, trockenen Felshängen, an stark vernässten Stellen oder nach Waldbränden und Erdrutschen. Früher waren lichte Wälder aufgrund menschlicher Tätigkeit im Wald stark verbreitet. Damals wurde praktisch alles aus dem Wald genutzt: Holz, Laub, Rinden, Beeren, Früchte, Unterwuchs (durch Mahd oder Beweidung) und gar Humus. Diese grossen Austräge, verbunden mit einer kleinflächigen, vielseitigen Nutzung, liessen Wälder mit kleinem Holzvorrat und einer vielfältigen Struktur entstehen.

Warum lichte Wälder?

Ein grosser Teil der in lichten Wäldern vorkommenden Tier- und Pflanzen- arten ist heute selten oder gar ausgestorben. Die weniger intensive Waldnutzung gilt als Hauptursache dieser Veränderung. Heute sind oft nur noch kleine Restpopulationen an exponierten Standorten geblieben. Um das Überleben dieser gefährdeten Arten zu sichern, ist das Anlegen von dauernd lichten Waldflächen an dafür geeigneten Standorten von grosser Bedeutung. Periodische Nutzungseingriffe sollen einen Beschirmungs- grad zwischen lediglich 30 und 70% sicherstellen.

Wo lichte Wälder anlegen?

Trockene und magere Stellen mit nur sehr dünner Bodenschicht und stel- lenweise anstehendem Fels: Extremstandorte sind für lichte Waldformen besonders geeignet.

Anhand der Vorkommen von Pflanzen, die magere und lichte Waldbestände anzeigen, können für lichten Wald geeignete Flächen ausgewählt werden. Mögliche Indikatorarten sind z.B.: Akelei, Besenheide, Ginsterarten, Heidelbeere, Hufeisenklee, Leberblümchen, Liguster, Maiglöckchen, Orchideen, Pfeifengras, Schlehdorn, Wachtelweizen und Wildrosen.

Sehr steile Wälder können nur schlecht gemäht werden. Hier empfiehlt es sich, periodisch (je nach Wüchsigkeit des Standorts) zu entbuschen und dabei die ökologisch besonders wertvollen Straucharten (z.B. Dornensträucher) stehen zu lassen.

Waldbauliches Vorgehen

  • Die Baumschicht wird auf einen Deckungsgrad von 30 bis 70 % aufgelockert.
  • Kein diffuses Auflichten auf der ganzen Fläche, besser stellenweise sehr stark auflichten und daneben wieder eine kleine Baumgruppe belassen (bessere Bestandesstabilität).
  • Seltene Baumarten (z.B. Mehl- und Elsbeerbäume) und solche mit lichten Kronen (z.B. Föhren) bevorzugt stehen lassen.
  • Selektives Entbuschen, teilweise mit Entfernen der Wurzelwerke von besonders dominanten und schnellwüchsigen Strauch- und Baumarten.
  • er Beschirmungsgrad nimmt relativ rasch nach dem Eingriff wieder zu, so dass auch in der Baumschicht die Pflege fortgesetzt werden muss.
  • Abgestorbene Stämme stehen lassen als Nahrung und Nistmöglichkeit für die Fauna.
  • Eingriffe im Wald müssen mit der Försterin oder dem Förster abgesprochen werden.

Mähen

  • Gemäht wird mit einem Balkenmäher oder rmit der Sense, möglichst tief, ohne den Boden zu verletzen. Mulchen zerstört den Oberboden (und damit Samenreservoir und Bodenlebewesen) und soll unterlassen werden.
  • Etwa 10 % der Fläche soll ungemäht bleiben und als Rückzugsgebiet für die Fauna dienen.
  • Das Schnittgut sollte einen Tag lang liegen gelassen werden, damit Kleintiere es verlassen können. Danach wird das Schnittgut abgeführt.
  • Das Astmaterial wird zu Haufen zusammengetragen, die den Tieren als Unterschlupf dienen.
  • Bei den Mäharbeiten sollten die Stammanläufe der verbleibenden Bäume nicht verletzt werden.
  • Auch das sehr aufwändige Laubrechen begünstigt die Entwicklung der Vegetation und die Ausmagerung des Standorts.

Beweidung

  • Beweidungen im Wald bedürfen einer Ausnahmebewilligung des Forstdienstes.
  • Beweidungen mit Ziegen scheinen sich zu bewähren, da diese Tiere in der Krautschicht sehr selektiv fressen und damit zur Ausbildung eines kleinräumigen Mosaiks beitragen.
Mähgut und Astmaterial werden flächig geräumt. Äste werden zu Asthaufen aufgeschichtet.

Wer profitiert von lichten Wäldern?

Astlose Graslilie

Bei den Pflanzen profitieren seltene Arten wie die Astlose Graslilie (rechts) oder das Weisse Waldvögelein (Tagfalter). Viele, z.T. auch seltene Pflanzen, blühen markant häufiger als in dunklen Wäldern.

Bereits kurze Zeit nach der Auflichtung steigt der Deckungsgrad der Krautschicht deutlich an. Es profitieren aber auch häufige Arten wie das Bingelkraut oder die Fiederzwenke, welche die selteneren Pflanzenarten konkurrenzieren.

Das grössere Blütenangebot kommt blütenbesuchenden Insekten zugute. Tagfalter reagieren bereits im ersten Jahr nach der Auflichtung auf die verbesserte Lebensraumsituation. Sowohl die Artenvielfalt als auch die Individuenzahl nimmt zu.

Lichte Wälder gelten allgemein als hervorrangende Vogelgebiete. Vögel profitieren sowohl von der hohen Insektendichte als auch von der grossen Strukturvielfalt der lichten Wälder.

Auch Reptilien wie die Mauereidechse (unten) besiedeln die neu aufgelichteten Flächen. Sie können mit dem Einrichten von Astund Steinhaufen als Sonnund Versteckplätze zusätzlich gefördert werden.

Mauereidechse (I, Manfred Heyde, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Mittelwald als eine besondere Form von lichtem Wald

Ebenfalls eine Form von lichtem Wald ist der Mittelwald. Im Mittelwald wird die Hauschicht alle 15 bis 25 Jahre auf den Stock gesetzt, nur sogenannte Kernwüchse (Oberschicht mit Edelholz wie z. B. Eichen) bleiben stehen. Nach der Schlagphase folgt die besonders artenreiche Saumphase, bis die Hauschicht den Wald langsam wieder verdunkelt.

Unser Angebot

Die SWO schafft und pflegt lichte Wälder und sichert so angepassten Pflanzen und Tieren ihren Lebensraum.

  • Wir unterstützen den Forst bei den Aufräumarbeiten nach Holzschlägen.
  • Wir mähen lichte Waldflächen mit Motor- oder Handsensen und entfernen das Schnittgut.
  • Wir halten Flächen offen, indem wir die entbuschen.
  • Wir befreien Waldflächen von Brombeeren, Goldruten und anderen Problempflanzen.
  • Wir schaffen Kleinstrukturen als Lebensraum und Unterschlupf für Kleintiere.

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Andreas Wolf
Geschäftsleiter