Winkel bei Bülach, Grossseggenried, Entbuschung – Pickeln wie die Vorfahren bei sommerlicher Rekordhitze.

In diesem Jahr engagierte sich die SWO erneut mit ihren Zivildienstleistenden Anfang August auf dem Waffenplatz Kloten-Bülach mit einem fünftägigen Naturschutzeinsatz, ein Paradebeispiel dafür, dass die Arbeiten im praktischen Naturschutz bei der SWO zu allen Jahreszeiten und zu – fast – allen Wetterbedingungen durchgeführt werden. Denn auch dieser Sommer war von enorm hohen Temperaturen, neuen Hitzerekorden und langen Trockenperioden geprägt. Für unseren diesjährigen Gruppeneinsatz in der „Winkler Allmend“ verwandelte die intensive Sonneneinstrahlung – ohne vorhandenen Schatten – auf offener, weiter Riedfläche die auszuführenden Tätigkeiten zu einer spannenden Herausforderung, was die Motivation des Einsatzleiters und der Zivis jedoch keineswegs schmälerte.

Bei den konkreten Arbeiten handelte es sich um das Entfernen und Ausstocken von jungen Gehölzen wie dem Faulbaum (Frangula alnus), der Grauweide (Salix cinerea) und dem Weissdorn (Crataegus monogyna) auf einer Fläche, die pflanzensoziologisch einerseits als Hochstaudenflur im Übergang zu einer Pfeifengraswiese und andererseits als Grossseggenried einzuordnen ist. Im grösseren Kontext befindet sich diese Fläche – welche noch keine Schutzverordnung besitzt – innerhalb eines Komplexes diverser Flachmoore von nationaler Bedeutung, welche 1994 ausgewiesen worden sind. Sie bilden die Restbestände des ursprünglich riesigen Klotener Riedes. Heute gehören die Flachmoore im Waffenplatzareal dem VBS und dem Kanton Zürich. Die Verantwortung über die Pflege liegt bei der Fachstelle Naturschutz und wird seit den 90er Jahren von der Naturschutzbeauftragten Frau Dr. Regula Dickenmann betreut.

Der Sinn und Zweck unseres Einsatzes war es, einer sukzessiven Verbuschung entgegenzuwirken, sowie die derzeitige Ausprägung der bestehenden Pflanzengesellschaften zu erhalten und zu verbessern. Die klassischen Arbeitswerkzeuge waren sowohl – sinnbildlich wie in einem Hodler-Gemälde – mittelgrosse Pickel und Wiedehopfhauen als auch moderne Entbuschungszangen. Gerade solche althergebrachten – beinahe archaischen – Arbeiten, welche auf Schwungtechnik, Durchhaltevermögen und simple Muskel- und Willenskraft ausgelegt sind, vermitteln einen Eindruck davon, welche Anstrengungen in den vergangenen Jahrhunderten aufgewendet worden waren, um unsere heutige Kulturlandschaft zu schaffen.
Die Entbuschungsarbeiten zur Eindämmung von Stockausschlägen von Gebüschen finden in den letzten Jahren regelmässig auf dem Waffenplatzareal statt. Die Verbuschung der bearbeiteten Fläche war eine Folge der Bewirtschaftungsaufgabe, so dass sich eine Verbrachung mit austreibenden Gehölzen einstellte. Zur Pflege der Flächen werden inzwischen – neben dem Pickeln – zudem Samen von gewünschten Riedarten wie z.B. Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und Echte Betonie (Stachys officinales) auf offenen Bodenstellen ausgebracht, um die pflanzengesellschaftliche Entwicklung und den Artenreichtum aktiv zu unterstützen und zu beschleunigen.

Wichtige Komponenten zur Risikominimierung und Wahrung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes für diesen Naturschutzeinsatz waren Kopfbedeckung/Sonnenhut, getönte Schutzbrillen, Sonnencreme mit hohem UV-Schutzfaktor, lange Kleidung, regelmässige Trinkpausen im Schatten und ein 20 Liter-Kanister Wasser zur Erfrischung von Gesicht, Nacken und Oberkörper. Auf diese Weise konnte der Entbuschungsauftrag mit Hilfe engagierter Zivildienstleistenden zur Förderung von Fauna und Flora erfolgreich und ohne gesundheitliche Komplikationen durchgeführt werden.

Weitere Fragen? Kontaktieren Sie uns.

Christopher Kunze
Projekt- und Einsatzleiter Zivildienst